Fasten, Fleisch essen, Opfer, Askese...
Einige Gedanken anlässlich der Tatsache, dass sich die Getreuen der messianischen Erlösungsreligion derzeit des Fleischgenusses enthalten sollten.
Ich weiss auch nicht, wieso, aber das Thema "Fleisch essen" kommt immer wieder in den Foren auf und führt unweigerlich zum Krieg zwischen Vegetariern und jenen, die es nicht sind. Insbesondere kommt die Frage auf, wie ein "naturreligiöser" Mensch es wagen kann, Fleisch zu essen, wo er doch dafür töten (lassen) muss.
Worum gehts also beim Fasten, also dem "sich des Verzehrs von Fleisch enthalten", nicht den modernen Erfindungen, keine Schokolade zu essen oder nicht mit dem Auto zu fahren (letzteres ein Beitrag der katholischen Umweltbewegung).
Askese:
Fleisch (in beiden Bedeutungen als tierische Muskelfasern und als Begriff für das "Fleischliche" → Gier, Sünde,...) ist schlecht / böse.
Mehrere mögliche Interpretationen:
- Vegetarismus (Genuss von Fleisch macht wild, brutal, ist unmenschlich)
- generelle Leibfeindlichkeit (nur die Seele ist göttlich, der Körper ist "böse", vom "Bösen"), war ja in den ersten Jahrhunderten recht populär, ist aber aus der Mode gekommen, da die angenommene Wiederkehr Christi nicht statt gefunden hat und das Christentum sich daher entschlossen hatte, lieber zur Staatsreligion zu werden als aufzugeben.
Hellenistische Sichtweise:
generelle Lebensbejahung, Genuss ist (in Maßen) in Ordnung, Fleisch ist an sich nicht "schlecht", jedoch die Aspekte des Fleischessens sowie der Sexualität sind latent miasmatisch. Diese Sichtweise führt mE aber zu großer Sensibilität ggü dem Heiligen, dem Leben und der Mitwelt.
Das Opfer im hellenischen Sinn
- Um essen zu können, muss Leben genommen werden
- Leben ist heilig
- Eingriffe in den Bereich des Heiligen sind grenzüberschreitend und daher miasmatisch
- daher ist es nötig, entweder das Miasma zu vermeiden oder sich zu reinigen
- Opferhandlungen beziehen die Kultgemeinde in den Bereich des Heiligen mit ein → Rechtfertigung
Konflikt: Nahrungsaufnahme ist lebens-(gesellschafts-!)wichtig, aber miasmatisch
Und zum Schluss muss ich noch schnell den Begriff "Miasma" erklären: hier gehts primär um eine Grenzüberschreitung zwischen dem Bereich des Heiligen und des Profanen, die meist mit Tod oder Sex zu tun hat. Miasmatisch sind nämlich v.a. der Tod, der Mord, Blut an sich, Menstruation, Geburt. An sich alles kein Problem (ausser für Priester, die Sondergesetze haben), denn man kann sich reinigen. Die Grenzen, die jeweils überschritten werden, sind klar.
Schwierig wirds nur, weil man eben töten muss, um selbst überleben zu können, sprich seine Nahrung beschaffen (denn eigentlich sind ja auch Pflenzen Lebewesen und auch im Wasser, das ich trinke, schwimmen Mikroorganismen herum). Nun muss also der Bereich des Heiligen betreten werden, und das geschieht durch das kultische Opfer. Es wurde übrigens nur Fleisch gegessen, das auf diese Weise geschlachtet worden war (Ausnahme: Jagd, die ja auch älter ist als die Tierzucht, da gab es andere Riten, so wie bei den Indianern ;)
Ich weiss auch nicht, wieso, aber das Thema "Fleisch essen" kommt immer wieder in den Foren auf und führt unweigerlich zum Krieg zwischen Vegetariern und jenen, die es nicht sind. Insbesondere kommt die Frage auf, wie ein "naturreligiöser" Mensch es wagen kann, Fleisch zu essen, wo er doch dafür töten (lassen) muss.
Worum gehts also beim Fasten, also dem "sich des Verzehrs von Fleisch enthalten", nicht den modernen Erfindungen, keine Schokolade zu essen oder nicht mit dem Auto zu fahren (letzteres ein Beitrag der katholischen Umweltbewegung).
Askese:
Fleisch (in beiden Bedeutungen als tierische Muskelfasern und als Begriff für das "Fleischliche" → Gier, Sünde,...) ist schlecht / böse.
Mehrere mögliche Interpretationen:
- Vegetarismus (Genuss von Fleisch macht wild, brutal, ist unmenschlich)
- generelle Leibfeindlichkeit (nur die Seele ist göttlich, der Körper ist "böse", vom "Bösen"), war ja in den ersten Jahrhunderten recht populär, ist aber aus der Mode gekommen, da die angenommene Wiederkehr Christi nicht statt gefunden hat und das Christentum sich daher entschlossen hatte, lieber zur Staatsreligion zu werden als aufzugeben.
Hellenistische Sichtweise:
generelle Lebensbejahung, Genuss ist (in Maßen) in Ordnung, Fleisch ist an sich nicht "schlecht", jedoch die Aspekte des Fleischessens sowie der Sexualität sind latent miasmatisch. Diese Sichtweise führt mE aber zu großer Sensibilität ggü dem Heiligen, dem Leben und der Mitwelt.
Das Opfer im hellenischen Sinn
- Um essen zu können, muss Leben genommen werden
- Leben ist heilig
- Eingriffe in den Bereich des Heiligen sind grenzüberschreitend und daher miasmatisch
- daher ist es nötig, entweder das Miasma zu vermeiden oder sich zu reinigen
- Opferhandlungen beziehen die Kultgemeinde in den Bereich des Heiligen mit ein → Rechtfertigung
Konflikt: Nahrungsaufnahme ist lebens-(gesellschafts-!)wichtig, aber miasmatisch
Und zum Schluss muss ich noch schnell den Begriff "Miasma" erklären: hier gehts primär um eine Grenzüberschreitung zwischen dem Bereich des Heiligen und des Profanen, die meist mit Tod oder Sex zu tun hat. Miasmatisch sind nämlich v.a. der Tod, der Mord, Blut an sich, Menstruation, Geburt. An sich alles kein Problem (ausser für Priester, die Sondergesetze haben), denn man kann sich reinigen. Die Grenzen, die jeweils überschritten werden, sind klar.
Schwierig wirds nur, weil man eben töten muss, um selbst überleben zu können, sprich seine Nahrung beschaffen (denn eigentlich sind ja auch Pflenzen Lebewesen und auch im Wasser, das ich trinke, schwimmen Mikroorganismen herum). Nun muss also der Bereich des Heiligen betreten werden, und das geschieht durch das kultische Opfer. Es wurde übrigens nur Fleisch gegessen, das auf diese Weise geschlachtet worden war (Ausnahme: Jagd, die ja auch älter ist als die Tierzucht, da gab es andere Riten, so wie bei den Indianern ;)
akesios - 8. Mrz, 16:42
